Glauben Sie an Magie?
der
Übersetzer - Bernhard Nickel :: this
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Eine Zeitlang dachte ich, die Firma Airwave haette sich in Luft aufgeloest, und das waere wirklich eine mittlere Katastrophe gewesen, bedenkt man die Erfolgsserie der Schirme, die dem Zeichenbrett von Bruce Goldsmith entstammen (besonders erwaehnenswert der "XXX" - WM Siegerschirm).
Und dann luepft Markus Villinger das Tuch und abracadabra! entfleucht eben jener Bruce Goldsmith dem Hut mit einem neuerlichen aviatischen Leckerbissen - dem Magic. Airwave is back in a big way!
AUFBAU: Drei Merkmale, die am Ozone Octane bereits gefielen, sind Bruce zur Firma Airwave gefolgt:
Die Wettbewerbsversion, die ich testflog, war mit verhaeltnismaessig starken (im Sinne von "dick") Kevlar-Leinen ausgestattet, was gerade in Suedafrika viel Sinn macht - der Cocktail aus schroffem Fels, widerborstigem Gestruepp und hohem UV-Anteil im immerwaehrenden Sonnenlicht ist Gift fuer entbloesste "Zahnseide".
Beim Advance Omega 5 bereits im Einsatz,
hat auch der Magic geschlossene Zellen, um abermals die Formtreue
zu erhoehen und, im Falle eines Einklappers, weniger Luft aus dem
Innern des Schirms entweichen zu lassen. Die geschlossenen Zellen
verteilen sich jeweils auf die Fluegelenden, die Schirmmitte
selbst weist die traditionelle V-Rippen Bauweise auf. Ob
geschlossene Zellen eine Leistungssteigerung bewirken, ist schwer
zu sagen, die Optik ist jedenfalls ueber alle Zweifel erhaben!
ZAUBER IN DER LUFT:
Will man beim Aufziehen ein zu schnelles Emporsteigen vor
allem der Fluegelenden verhindern, empfehle ich den alleinigen
Einsatz der mittleren A-Gurte. Mir fiel sofort das angenehme
Handling des Schirms in der Luft auf. Dem Verhalten des
"XXX" in Thermik nicht unaehnlich, sind Drehbewegungen
des Fluegels um die Laengsachse bei Gewichtsverlagerung des
Piloten relativ gering.
So lassen sich Kreise flach und exakt fliegen, was das fuer den Hoehengewinn bedeutet, ist bekannt. Wingovers gehen glatt und vor allem schnell "von der Hand". Die Art und Weise der Anlenkung des Achterlieks durch die Bremsspinne ist eines der Geheimnisse des Magic ideale Bremsen, fest, aber nie ermuedend.
Wie gewoehnlich nimmt der Druck beim provozierten vollstaendigen Stroemungsabriss stetig zu, um sehr ploetzlich gegen Null zu gehen, naemlich am Stallpunkt, der Fluegel schnappt foermlich zu. Der Weg, den dabei die Steuerleinen zuruecklegen, ist kurz bis durchschnittlich. Der Magic laesst sich ausgesprochen eng zentrieren, was gerade das Thermikfliegen zu einem Traum macht.
Ein Blick auf die Schirmoberseite während des Fluges (wie ich das gemacht habe, bleibt mein Geheimnis J ) offenbart eine wohlgeformte und -gespannte Tragflaeche. Obwohl die Schirmunterseite nahe der geschlossenen Zellen etwas gestaucht erscheint und bei zunehmender Fahrt leise oszilliert, schnuert der Fluegel unbeirrt und stabil durch unruhige Luft.
Die fuer diese Klasse typische hohe Streckung merkt man ihm nicht an, er benimmt sich ueberhaupt sehr wohlerzogen; er gibt dem Piloten stets leise Feedback, ohne jemals eigenwillig zu sein oder gar Eigeninitiative zu entwickeln. Mit anderen Worten, er huepft nicht unangeleint durch die Gegend! Ich lasse beim Fliegen mit der ohnehin hohen Trimspeed die Bremsen gerne ganz aus und bin dadurch noch ein wenig schneller unterwegs.
STABILITÄT:
Von "Tauchgaengen" beim Verlassen von Thermik und
"Pendelausschlaegen" beim Einfliegen in Thermik erholt
sich der Schirm hervorragend. Auf durchschnittliche Klapper (bis
40%) reagiert er mit Wegdrehen bis 90 Grad, Öffnungsverhalten
selbstaendig schnell.
Bissiger quittiert er da schon die
"big ones" (50% und mehr), erst recht, wenn man sich
nicht auf die beruehmte andere Seite lehnt, alles nicht wirklich
ueberraschend fuer einen High-Performance-Gleiter.
Gegensteuern ist unproblematisch. Eingeholte Fluegelenden ("Big Ears") klappen wieder aus, wenn man sie nicht per Leinenzug daran hindert. Selbst bei vollem Beschleunigereinsatz klappen sie selbsttaetig aus, was man durchaus als Zeichen guten Fluegeldesigns werten kann.
THERMIKFLIEGEN:
Beim Langsamflug mit sehr tiefgehaltener Bremse erreichte ich
eine sichere Minimalgeschwindigkeit von 26km/h, der Schirm zeigte
keine Tendenz zum Abriss.
Wenn man beim Kreisen in Thermik besonders scharf eindreht, resultiert das zunaechst in einer steilspiralartigen Drehung und der Steuerleinendruck nimmt stark zu, man muss also schon aggressiv zu Werke gehen, um den Magic negativ zu drehen.
Am meisten beeindruckt hat mich beim Überlandfliegen das praezise Handling des Magic, er fuehlte sich zuweilen an wie die leinen- und tuchgewordene Inkarnation meiner selbst, jederzeit bereit, willig meinem Befehl zu gehorchen... der Zauber wirkte, und wirkt noch!
SPEED:
Waehrend der Testphase im beschleunigten Flug hatte ich
einige grosse Einklapper (Umlenkrolle an Umlenkrolle, ohne
auszulassen). In thermisch turbulenter Luft verabschiedeten sich
entweder die Fluegelenden (erst das eine, dann das andere), oder
ein betraechtlicher Teil der Eintrittskante kam herein. Es blieb
stets Zeit, abzufangen, bevor es wirklich unangenehm wurde;
dennoch sollte das letzte Viertel der 20cm messenden
Beschleunigerstrecke doch den "peachy-smooth
conditions", wie die Suedafrikaner sagen, vorbehalten
bleiben. Bei halbem Speedbar-Einsatz erflog ich jedoch einen
beeindruckenden Gleitwinkel und erreichte um die 47km/h, die sich
sicher und stabil anfuehlten.
ZUSAMMENFASSUNG:
Nach meinem ersten Testflug zaehlte ich im Geiste schon die
Groschen aus meinem Schweinchen zusammen... Nachdem ich mit dem
Magic in der Thermik gewesen war, jubelte und frohlockte ich. Als
ich dann noch Kopf an Kopf gegen das beste Konkurrenzmaterial
geflogen war, das die Gleitschirmszene derzeit zu bieten hat, war
es um mich geschehen. Ich kann nicht genau sagen, wieviele
Schirme ich in den letzten Monaten geflogen bin, bis ich auf
diesen ganz besonderen 2/3er stiess.
Zu guter Letzt habe ich mich einfangen lassen, bin dem Zauber der idealen Verbindung aus "handling, feedback, performance and smoothness of flight" erlegen - it's all there, in the Airwave Magic!
Er hat es verdient, in den Olymp der Seriengleiter aufgenommen zu werden, um dort einen ganz besonderen Platz einzunehmen; ausgestattet mit Attributen, deren Kombination schlichtweg als 'himmlisch' zu bezeichnen ist.
TECHNISCHE SPEZIFIKATIONEN:
Airwave http://www.villinger.com/villinger2.htm
Meinen Dank richtet sich an den Importeur dieses Airwave-Schirms:
Mike Kinsey: +2721 (0)83 279 9065
oder email mikep@icon.co.za (Englisch)
| MAGIC (DHV2/3)(in Arbeit) | Medium | ||
| Zellenanzahl | 71/107 | ||
| Flaeche (projiziert) | 23.26 | ||
| Flaeche (ausgelegt) | 26.52 | ||
| Streckung (ausgelegt) | 6.03 | ||
| Stammleinen - A/B/C/D | 3/4/3/2 | ||
| Pilotengewicht (kg) | 80 - 100 | ||
| Min / Trim / Max speed (km/h) | 21 / 39 / 56 | ||
| Gewicht des Testpiloten (kg) | 100 | ||
| Vmin im Test (km/h) | 22 | ||
| Vtrim im Test (km/h) | 39 | ||
| Vmax im Test (km/h) | 52 | ||
| Hoehe dieses Testfluges (ue.M.) | 300 | ||
| Luftdruck Qnh (in hPa) | 1016 | ||
| Lufttemperatur (Grad Celsius) | 24 | ||
| Korrekturfaktor* für Geschwindigkeiten | 103% |
* Bemerkung: wenden Sie den Korrekturfaktor an, wenn Sie meine Daten auf eine standardisierte Hoehe von 1000m ue.M., 1013,2 hPa Qnh Luftdruck und 15 Grad Celsius hochrechnen wollen.
* Die Hoechstgeschwindigkeit ist nach 15 Sekunden groesstmoeglicher sicherer Fahrt gemessen worden.
* Dieser Bericht ist evtl. einer Revision zu unterziehen, sollten sich noch Spezifikationsaenderungen vor der DHV-Zertifizierung zum Geraet der Klasse 2/3 ergeben.